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29 Mai, 2026

Bookclub Nachlese zu "Es geht mir gut" von Jessica Anthony

29 Mai, 2026
was war das für ein besonderer Bookclub am Donnerstag, es war rappelvoll und zum ersten Mal seit vier Jahren stieß unser Konzept "Einfach vorbeikommen ohne Anmeldung" an seine Grenzen. Am Ende hat es gepasst (danke, dass ihr euch alle so flexibel ein Plätzchen gesucht habt) und es hätte natürlich noch ein paar Stehplätze gegeben. ;) 
Unserem Herzenskonzept, ohne Hürde bei uns teilnehmen zu können, werden wir also erst einmal treu bleiben. Ein herzliches Dankeschön an alle, die dabei waren und auch an die vielen, die parallel mitlesen, auch wenn sie es nur selten dann zum Club schaffen - ihr alle macht unsere Welt bunter.
 
„Das ist ein super Sommerbuch: Man liest es gerne, legt es anschließend weg und greift zum nächsten.“
 
Mit diesem Fazit brachte eine Teilnehmerin unseres Bookclubs die Lektüre von Es geht mir gut von Jessica Anthony auf den Punkt und sprach damit vielen von uns aus der Seele.
 
Denn das gerade einmal 160 Seiten kurze Buch über Kathleen, Kathy, Katie oder Kath – je nachdem, wer gerade über sie spricht – und ihren Ehemann Virgil hatte es durchaus in sich. Die Mehrheit von uns mochte das Buch, einige mit Abstrichen, andere konnten mit der Geschichte und ihren Figuren dagegen wenig anfangen.
 
Einig waren wir uns jedoch, dass erstaunlich viele Themen auf diesen wenigen Seiten verhandelt werden. Die Perspektiven wechseln zwischen Kathleen und Virgil, manches bleibt nur angedeutet, anderes entwickelt sich überraschend. Nicht alle Handlungsstränge erhielten die Tiefe, die wir uns gewünscht hätten, und manche Wendungen kamen so unerwartet, dass sie uns erst in der Diskussion richtig bewusst wurden.
 
Besonders kritisch wurde Kathleens Entscheidung gesehen, den gesamten Tag im Pool zu verbringen. Am Ende wirkt sie beinahe körperlich aufgelöst, aufgequollen und erschöpft. Da in der Geschichte mehrere Todesfälle mit Wasser verbunden sind, wurde ihr Aufenthalt im Pool auch als Symbol für einen schleichenden Abschied vom Leben gelesen.
 
Eine Teilnehmerin brachte zudem den englischen Originaltitel The Most ins Spiel, was unserer Diskussion noch einmal eine neue Richtung gab. Denn „The Most“ bezeichnet einen Spielzug beim Tennis, den Billy Kathleen einst beigebracht hat: einen Spielzug, der den Gegner aus der Reserve locken soll und am Ende zum entscheidenden Punkt führt.
Vielleicht verfolgt Kathleen genau dieses Ziel. Vielleicht will sie Virgil so lange provozieren, bis er endlich die Wahrheit sagt, um anschließend selbst ihre Wahrheit auszusprechen.
Bis dahin haben beide vor allem ohne Ziel nebeneinander gelebt, ohne sich wirklich zu kennen. Das offene Ende mit Virgils Fallenlassen in den Pool lässt Raum für viele Deutungen.
 
Es ließe sich vermutlich länger über dieses Buch sprechen, als es Seiten hat. So ein Buch ist das.
 
Am Ende stimmen wir über unser Monatsbuch ab. Hier seht ihr das gestrige Ergebnis der Teilnehmenden vor Ort. Wenn ihr das Buch ebenfalls gelesen habt und abstimmen möchtet, könnt ihr das hier tun: Zur Abstimmung